Ich denke es ist nicht so schwierig sich vorzustellen, dass manche Spieler mehr Geld mit genau derselben Hand verdienen, als andere, selbst wenn sie nicht gegen dieselben Wahrscheinlichkeiten antreten müssen. Manche wissen, wie sie ihre Hände bis zum Limit „melken“, während andere die ganze Zeit Schwierigkeiten haben und die ganze Zeit nicht den richtigen Moment abpassen, wenn es darum geht ihre Monster zu melken.
Dasselbe gilt für kleine und marginale Hände, manche Spieler können ihre Verluste besser in einem minimalen Rahmen halten als andere. Die Fähigkeit die definiert wie gut sie darin sind ihre Gewinne zu maximieren, wenn ihre Hand gut ist und die Verluste zu minimieren sollten sie eine schlechte Hand haben, wird im No Limit Hold’em „Pot Control“ bzw. „Potkontrolle“ genannt. Die Wichtigkeit von Pot Control kann niemals unterschätzt werden, denn nach allem kann die Essenz von Poker zusammengefasst werden, in großen Gewinn bei großen Händen und kleinen Verlust bei kleinen Händen.
Wie erreicht man Pot Control? Indem man die korrekte Setzgröße wählt und durch die Position.
Schauen sie sich das folgende Video an: link.
Hinter dem offensichtlich vergnügtem Vortrag den Negreanu seinen No Limit Gegnern gibt, hört man ziemlich wichtige Lehren im Hintergrund. Negreanu kann nicht glauben, dass sein Gegner 5.000 Chips in den Pot schiebt um seine 300 zu erhöhen, da er weiß dass es keinen legitimen Grund für irgendjemanden geben kann so zu reagieren. Wenn der Typ eine gute Hand hat, dann will er einen Pot aufbauen oder er möchte ihn beschützen. Beides, das Pot aufbauen und die Hand zu schützen kann nicht erreicht werden, indem man ein paar hundert Chips im Pot mit 5.000 Chips erhöht.
Wenn er Lumpen auf der Hand hat, wird ein Spieler den Pot klein halten wollen, also noch mal: die Erhöhung um 5.000 Chips ist in dem Fall nicht was er tun würde. Bluffing wird niemals auf diesem Wege gemacht. Ein Bluff ist viel komplizierter und benötigt viel mehr Informationen in einer Hand, wenn der Typ also am bluffen ist, dann ist er ein ahnungsloser Esel, denn er riskiert sein Turnierleben für 300 von Negreanus Chips.
Der Höhepunkt des Clips ist, wenn der Typ Negreanu erzählt, dass dies ist was Poker ausmacht und damit jemanden belehrt der unendlich mehr über das Spiel weiß als er selber.
Zurück zur Pot Control, wie ich oben bereits erwähnt hatte, geht es bei Pot Control darum die Größe des Einsatzes in der jeweiligen Position richtig abzuschätzen. Die Größe eines Einsatzes zu bestimmen soll eins von zwei Dingen erreichen: mehr Geld in den Pot zu bekommen (den Pot aufzubauen), dies wird gemacht, wenn der Spieler eine Monster Hand hat oder die Größe des Potts klein zu halten, wenn jemand eine kleine Hand hat.
Wenn sie die Größe ihres Einsatzes abschätzen um den Pot aufzubauen, dann müssen sie mehrere Faktoren beachten. Die richtige Setzgröße zu finden ist eine Balanceakt auf des Messers Schneide, denn sie müssen einen Kompromiss finden zwischen soviel Geld wie möglich in den Pot zu bekommen und die Pot Wahrscheinlichkeiten ihres Gegners am Leben zu erhalten, damit dieser es als profitabel ansieht ihren Einsatz zu callen. Dies ist der Grund warum nur die besten der besten Spieler es schaffen ihre Einsatz Größe richtig abzuschätzen. Man braucht Pokergedanken auf dem 4. Level um das Maximum aus einer Hand zu holen.
Pot Control ist natürlich immer einfacher aus einer hinteren Position. Wenn sie versuchen den Pot aufzubauen und sie vor sich jemanden sitzen haben der selber setzt, dann können sie ihn immer erhöhen und damit effektiv die Größe des Pots erhöhen und damit die zukünftigen Einsätze. Wenn sie in einer frühen Position sitzen und sie einen Einsatz machen, dann wird ihr Gegner Informationen über sie erhalten und callt möglicherweise nur um auf der sicheren Seite zu bleiben.
Dasselbe gilt, wenn sie versuchen den Pot klein zu halten, sie haben die Option nur zu checken, wenn sie sehen dass niemand vor ihnen gesetzt hat. Wenn sie in früher Position sitzen können sie natürlich auch nur checken, aber solch ein Zeichen von Schwäche auszusenden mag ihre Gegner dazu verleiten zu setzen, selbst wenn sie zu Beginn keine Intention dazu hatten.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die korrekten Einsatz Größen den Unterscheid zwischen einem akzeptablen und einem guten Spieler ausmachen. Machen sie nicht den vereinfachten Zug bei jeder guten Hand All-in zu gehen und bei jeder marginalen zu lahmen. Sie werden Geld verlieren und so wie der Typ im oben gezeigten Video aussehen.
Gefühle haben keinen Platz am Pokertisch und ganz offensichtlich Gefühle wie Stolz oder Ego noch weniger. Aber manchmal können selbst die besten Pros diese Faktoren nicht komplett aus ihrem Spiel herausnehmen.
Die Hand die ich diskutieren werde ist eine die in die Geschichte eingeht. Sammy Farha spielt gegen Barry Greenstein in der letzten Hand des Tages im High Stakes Poker. Es ist eine Situation mit einer perfekten Hand, welche am Ende dem Spieler im Gesicht explodiert, der ursprünglich den Vorteil auf seiner Seite hatte. Es ist ein faires Spiel, es sind Gefühle dabei und es ist Stolz involviert. Stolz der einem der Protagonisten eine riesige Summe Geld kostet.
Sie können sich die Hand hier selber anschauen:
Als der Tag beim High Stakes Pokertisch sich dem Ende zuneigt und gerade als sich die Spieler einer nach dem anderen vom Tisch erheben um sich vermutlich zurück zu ziehen, passiert das unwahrscheinliche, Barry Greenstein bekommt ein Pärchen Asse auf die Hand. Diese Tatsache alleine ist noch nicht Grund genug um die Kettenreaktion zu starten, welche am Ende seine Hand untergehen lassen wird. Die fehlende Zutat wird hinzugefügt als Sammy Farha ein Pärchen Könige auf die Hand bekommt. Diese Hand sorgt dafür, dass dieser sonst eindeutige Mix sich in ein unstabiles Gebräu verwandelt, das darauf aus ist Probleme zu verursachen und die Chips eines Spielers aufzuessen.
Denken sie nicht für eine Sekunde, dass Farha Greenstein nicht ziemlich gut mit seinen Händen einschätzen kann. Aber obwohl er sagt, dass er der einzig wahre Spieler am Tisch ist, denkt er wahrscheinlich, dass seine Hand im Moment die bessere ist. Er denkt vermutlich das Greenstein ein Ass –König hat und dies ist wahrscheinlich der Grund, warum er danach fragt wer die Karten gemischt hat.
Farha mag als Spieler und tollkühner Geselle erscheinen wollen, aber wenn sie ihn spielen sehen, dann wissen sie, dass ein Spieler seines Kalibers nicht all sein Geld in die Mitte des Tisches schiebt, wenn er sich nicht absolut sicher ist, dass er gegen seinen Gegner gewinnen kann. Deswegen ist alles andere einfach großes Theater von Farha und nicht mehr.
Er geht All-in und realisiert anschließend wahrscheinlich, dass Greenstein die Rockets hat und nicht Ass-König, als der die Geschwindigkeit sieht mit dem sein Gegner callt.
Dies ist der Moment in dem Farha weiß, dass er Probleme bekommt und die Reflexe des erfolgreichen Geschäftsmanns treten ein. Er versucht sofort seine Wahrscheinlichkeiten zu verbessern in dem er Greenstein fragt ob er das Board zweimal ablaufen lassen will. Da Greenstein sich seines Vorteils absolut bewusst ist, schlägt er aus und der Flop wird ausgespielt. Farha reagiert erstmal nicht für eine Sekunde. Er kündigte erstmal an, dass er eigentlich der Favorit ist, aber der erstaunte Ausdruck auf seinem Gesicht, als er den Flop sieht, verrät ihn. Er ist aber immer noch geschmeidig genug um nochmals vorzuschlagen das Board zweimal ablaufen zu lassen. Greenstein schlägt wiederum aus, aus Stolz, denn er kann unmöglich den Deal akzeptieren, nachdem er den Vorschlag vorher so direkt ausgeschlagen hatte.
Beim Flop und beim Turn fallen ein paar Bricks und Barrys Chips wandern zu Farha herüber, der damit noch reicher wird.
Hat Greenstein einen Fehler gemacht, als er Farhas Vorschlag zum zweiten Mal ausschlug? Es hängt davon ab, aus welcher Perspektive sie das ganze betrachten. Er weiß, dass die Show im Fernsehen übertragen wird und er weiß, dass Tausende, wenn nicht Millionen von Spielern diese Hand gerade sehen. Für einen professionellen Spieler seine Kalibers ist das Image etwas, das wir normalen Leute nicht ganz greifen können. Sein Image übersetzt sich für ihn in Geld und er weiß darüber wahrscheinlich Dinge, die wir nicht wissen. Aus dieser Perspektive ist seine Entscheidung korrekt.
Wenn wir vom Blickwinkel des Spielers, der jeden kleinen Vorteil nutzen will, die Situation betrachten, dann hat er einen Fehler gemacht.
Irgendetwas sagt mir, dass der Druck und die Verzweiflung, die mit der Hand einherging, Greenstein nicht ganz gepackt hat. Nach alledem traf er wahrscheinlich doch die richtige Entscheidung.
Zu bluffen war immer schon eins der Hauptelemente im Poker. Neben einem Kartenspiel ist Poker auch ein Wettspiel, und bluffen spielt eine große Rolle im Wettteil.
Einer der häufigsten Fehler den Anfänger im Poker machen, ist zu denken, dass das Bluffen für jeden Spieler gleich möglich ist und dass keine speziellen Fähigkeiten von Nöten sind. Nun ich habe Neuigkeiten für sie: Das Bluffen genauso, wie jeder andere Aspekt von Pokerstrategie muss erlernt und über viele Spielstunden perfektioniert werden. Es ist nicht etwas, bei dem man einfach so entscheiden kann es anzuwenden und den richtigen Moment zu erkennen um seinen Bluff zu setzen ist ein schwieriges Unterfangen.
Ein professioneller Pokerspieler, feuert nie einen blinden Bluff heraus. Merken sie sich das. Selbst wenn es oft so aussieht, als wäre ein Spieler tollkühn und es könnte ihn nicht weniger kümmern bei wem seine Chips landen, glauben sie mir es ist nicht so.
Es ist ein Teil des Jobs eines Poker Pros sich am Tisch auf eine gewisse Art zu repräsentieren (vorzugsweise tollkühn) und jeder Spieler hat eine Reihe von Werkzeugen um die erwünschten Resultate zu erzielen. Auf jeden Fall schiebt ein Poker Pro seine Chips niemals unbedacht über den Tisch.
Scotty Nguyen ist nicht nur dafür berüchtigt ein WSOP Hauptevent gewonnen zu haben, und Gott weiß wie viele Armbänder und kleinere live Events sondern auch für seine Bluff Fähigkeiten. Er spielt hier zum Beispiel einen so genannten Donk Bluff in die Richtung von Humberto Brennes.
Alle Elemente suggerieren, dass es sich hier um einen Donk Bluff handelt: Nguyens Hand ist etwas die – nach dem Kommentator – selbst die Heilsarmee verschmähen würde. Er führt die Hand nicht auf eine Art weiter die es ermöglicht zu raten was er hält und versucht damit Brennes in die Irre zu rühren. Er feuert seinen Bluff blind heraus und nimmt damit den Pot, da Brennes abgeschreckt seine viel bessere Hand foldet.
Bevor wir nun die tollkühne Aktion des mutigen Scottys weiter preisen, während er es weiterhin schafft Pot um Pot an Land zu ziehen, lassen sie uns die Situation ein bisschen mehr analysieren. Lassen sie sich nicht von Scottys ruhiger und etwas benebelter Ausstrahlung täuschen. Dieser Typ ist ein Veteran am grünen Filz und wie unmöglich es auch aussehen mag, dass er eine Entscheidung treffen kann, er ist immer auf der Höhe.
Als erstes lässt er Brennes ein paar Informationen über seine Hand wissen, was den wahrscheinlich etwas verwirrt und denkt, das Scotty wirklich über seine Hand redet (er hat tatsächlich dasselbe wie ein Blackjack 21 in seiner Tasche). Dies lässt ihn nur ein bisschen zögern, bevor er erhöht, gut genug für Scotty eine kleine Schwäche zu erkennen. Glauben sie nicht für eine Sekunde, dass Scottys Tisch Gerede nur Gerede ist um Konversation zu betreiben: er versucht die Reaktionen seines Gegners heraus zu fühlen. Deswegen stellt er sicher, dass Brennes ihn hört, wenn er über seine 21 redet (die 8,3 die er auf der Hand hält, braucht nur eine Bildkarte um zu einer 21 in BJ zu werden). Sehen sie sich seine Augen an, nachdem er sichergestellt hat, dass Brennes ihn gehört hat.
Dieses kleine Zeichen an Schwäche ist es die Scotty dazu veranlasst zu glauben, dass er den Pott vor dem Flop mitnehmen kann. Während es wie ein perfektes Beispiel für eine Donk Wette aussieht, weiß Nguyen schon, dass es sein größter Schachzug wird.
Es hilft ihm wahrscheinlich auch wie er sich am Tisch repräsentiert, während dieses Bluffs, denn er ist Scotty Nguyen und mit der großen Summe um die es geht, kann Brennes es sich wahrscheinlich nicht leisten einfach nur eine Münze zur Entscheidung zu werfen.
Jemand postete einen Kommentar unter dem Clip über was in Brennes Kopf vorgehen muss. Ich sage ihnen was ich denke: „Wie zur Hölle, weiß er das?“

