Stolz und Poker
Gefühle haben keinen Platz am Pokertisch und ganz offensichtlich Gefühle wie Stolz oder Ego noch weniger. Aber manchmal können selbst die besten Pros diese Faktoren nicht komplett aus ihrem Spiel herausnehmen.
Die Hand die ich diskutieren werde ist eine die in die Geschichte eingeht. Sammy Farha spielt gegen Barry Greenstein in der letzten Hand des Tages im High Stakes Poker. Es ist eine Situation mit einer perfekten Hand, welche am Ende dem Spieler im Gesicht explodiert, der ursprünglich den Vorteil auf seiner Seite hatte. Es ist ein faires Spiel, es sind Gefühle dabei und es ist Stolz involviert. Stolz der einem der Protagonisten eine riesige Summe Geld kostet.
Sie können sich die Hand hier selber anschauen:
Als der Tag beim High Stakes Pokertisch sich dem Ende zuneigt und gerade als sich die Spieler einer nach dem anderen vom Tisch erheben um sich vermutlich zurück zu ziehen, passiert das unwahrscheinliche, Barry Greenstein bekommt ein Pärchen Asse auf die Hand. Diese Tatsache alleine ist noch nicht Grund genug um die Kettenreaktion zu starten, welche am Ende seine Hand untergehen lassen wird. Die fehlende Zutat wird hinzugefügt als Sammy Farha ein Pärchen Könige auf die Hand bekommt. Diese Hand sorgt dafür, dass dieser sonst eindeutige Mix sich in ein unstabiles Gebräu verwandelt, das darauf aus ist Probleme zu verursachen und die Chips eines Spielers aufzuessen.
Denken sie nicht für eine Sekunde, dass Farha Greenstein nicht ziemlich gut mit seinen Händen einschätzen kann. Aber obwohl er sagt, dass er der einzig wahre Spieler am Tisch ist, denkt er wahrscheinlich, dass seine Hand im Moment die bessere ist. Er denkt vermutlich das Greenstein ein Ass –König hat und dies ist wahrscheinlich der Grund, warum er danach fragt wer die Karten gemischt hat.
Farha mag als Spieler und tollkühner Geselle erscheinen wollen, aber wenn sie ihn spielen sehen, dann wissen sie, dass ein Spieler seines Kalibers nicht all sein Geld in die Mitte des Tisches schiebt, wenn er sich nicht absolut sicher ist, dass er gegen seinen Gegner gewinnen kann. Deswegen ist alles andere einfach großes Theater von Farha und nicht mehr.
Er geht All-in und realisiert anschließend wahrscheinlich, dass Greenstein die Rockets hat und nicht Ass-König, als der die Geschwindigkeit sieht mit dem sein Gegner callt.
Dies ist der Moment in dem Farha weiß, dass er Probleme bekommt und die Reflexe des erfolgreichen Geschäftsmanns treten ein. Er versucht sofort seine Wahrscheinlichkeiten zu verbessern in dem er Greenstein fragt ob er das Board zweimal ablaufen lassen will. Da Greenstein sich seines Vorteils absolut bewusst ist, schlägt er aus und der Flop wird ausgespielt. Farha reagiert erstmal nicht für eine Sekunde. Er kündigte erstmal an, dass er eigentlich der Favorit ist, aber der erstaunte Ausdruck auf seinem Gesicht, als er den Flop sieht, verrät ihn. Er ist aber immer noch geschmeidig genug um nochmals vorzuschlagen das Board zweimal ablaufen zu lassen. Greenstein schlägt wiederum aus, aus Stolz, denn er kann unmöglich den Deal akzeptieren, nachdem er den Vorschlag vorher so direkt ausgeschlagen hatte.
Beim Flop und beim Turn fallen ein paar Bricks und Barrys Chips wandern zu Farha herüber, der damit noch reicher wird.
Hat Greenstein einen Fehler gemacht, als er Farhas Vorschlag zum zweiten Mal ausschlug? Es hängt davon ab, aus welcher Perspektive sie das ganze betrachten. Er weiß, dass die Show im Fernsehen übertragen wird und er weiß, dass Tausende, wenn nicht Millionen von Spielern diese Hand gerade sehen. Für einen professionellen Spieler seine Kalibers ist das Image etwas, das wir normalen Leute nicht ganz greifen können. Sein Image übersetzt sich für ihn in Geld und er weiß darüber wahrscheinlich Dinge, die wir nicht wissen. Aus dieser Perspektive ist seine Entscheidung korrekt.
Wenn wir vom Blickwinkel des Spielers, der jeden kleinen Vorteil nutzen will, die Situation betrachten, dann hat er einen Fehler gemacht.
Irgendetwas sagt mir, dass der Druck und die Verzweiflung, die mit der Hand einherging, Greenstein nicht ganz gepackt hat. Nach alledem traf er wahrscheinlich doch die richtige Entscheidung.

